500 Jahre Franziskanerkloster Schwaz
Ausstellung “Kostbarkeiten aus dem Franziskanerkloster”
Eröffnung: 3. Juni 2007, 19 Uhr
Dauer der Ausstellung: bis 29. Juli 2007
Öffnungszeiten: Do bis So 16 bis 19 Uhr
Führungen: jew. Sonntag, 17 Uhr, Preis 5,00 € pro Person
Führungen für Gruppen nach telefonischer Vereinbarung: 0664-1766346 (Dr. Bettina Schlorhaufer, Kuratorin der Ausstellung) oder 0664-4333316 (Dr. Otto Larcher, Obmann Museums- und Heimatschutzvereins); Preis 5,00 € pro Person
Exkursion nach Schloss Tratzberg, Sa 30. Juni 2007, 15 Uhr
Besichtigung der spätgotischen Flügelaltäre, die ehemals im Besitz des Franziskanerklosters in Schwaz waren. Es führt Dr. Michaela Frick, Bundesdenkmalamt, Treffpunkt: Schloss-Parkplatz (15 Uhr, anschließend Wanderung zum Schloss), Kosten: ca. 9 € pro Person
Zur Ausstellung erscheinen ein Führer durch die Ausstellung und eine Sondernummer der „Heimatblätter – Schwazer Kulturzeitschrift“ (Einzelpreis 3 €, Doppelpack 5 €) …weiter
Die Ausstellung im Rabalderhaus entsteht aus Anlass des 500-Jahr-Jubiläums des Franziskanerklosters. Der Orden des Hl. Franziskus ließ sich 1507 auf Betreiben der Gewerken und Bergknappen in der mittelalterlichen Silberstadt nieder. Schwaz zählte damals circa 20.000 Einwohner und hatte seinen wirtschaftlichen Höhepunkt erreicht. Daher unterstützte auch Kaiser Maximilian I. das Anliegen, mit der religiösen Betreuung der sozial inhomogen strukturierten Bevölkerung einen Bettelorden zu betrauen.
Hans Fieger zu Friedberg kaufte den Baugrund für das neu entstehende Kloster und stellte ihn den Franziskanern kostenlos zur Verfügung. Christoph Reichartinger plante mit den Gebäuden und der Kirche einen Komplex, der im Wesentlichen unversehrt erhalten geblieben ist und als einer der bedeutendsten der Tiroler Spätgotik gilt. Schon bald nach der Gründung des Ordens erschütterten die Reformationswirren das religiöse Leben in der Knappenstadt. Zwischen 1520–1530 gelang es den als besonders gute Prediger bekannten Franziskanern die lutherische Bewegung aus Schwaz zurückzudrängen. Die Zeit des Dreißigjährigen Krieges ging am Schwazer Franziskanerkloster, das sich durch seine Armenfürsorge und seine intensive Krankenseelsorge einen landesweiten Ruf erworben hatte, ebenso vorüber wie die Zeit Kaiser Josephs II., der die karitativen Leistungen der Schwazer Ordensleute anerkannte und somit die Schließung (Säkularisierung) des Klosters nicht in Erwägung zog. Im „Tiroler Schicksalsjahr 1809“, als Schwaz nahezu völlig eingeäschert wurde, blieb das Kloster verschont. Hunderte obdachlose Schwazerinnen und Schwazer wurden damals im Kloster aufgenommen und notdürftig versorgt. Diese enge Verbundenheit der Bevölkerung mit den Franziskanern ist bis heute erhalten geblieben.
Im Zentrum der Jubiläums-Ausstellung im Rabalderhaus stehen die Gründung des Klosters und die ersten Kunstwerke, die von reichen Gewerkenfamilien gestiftet wurden. Neben der reich illustrierten und von König Maximilian I. (Salbung zum Kaiser 1508) unterzeichneten Stiftungsbrief (Gründungsurkunde) aus dem Jahr 1507 und den letzten noch im Kloster vorhandenen spätgotischen Bildwerken wird mit dem Sippenaltar der größte „Schatz“ der Ausstellung präsentiert. Dieser Altar gehörte zur ersten Ausstattung der Franziskanerkirche und wurde 1515 geweiht. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts gelangte er nach Schloss Tratzberg, wo er der Öffentlichkeit aktuell nicht zugänglich ist.
Auf dem Mittelbild des Altars ist die hl. Sippe, auf den Innenflügeln die hll. Franz von Assisi und Bernhard von Siena bzw. auf den Außenflügeln die Verkündigung Mariens dargestellt. Dieser Altar war zum letzten Mal 1950 im Tiroler Landemuseum Innsbruck in der Ausstellung „Gotik in Tirol“ zu sehen. Er steht aber nicht nur aufgrund seiner besonders hohen künstlerischen Qualität im Zentrum der Ausstellung des Rabalderhauses: Auf der Mitteltafel ist Kaiser Maximilian I. abgebildet. Er wurde vom Maler des Altares als Alphäus in die hl. Sippe integriert.
Zwei ungefasste Flügelreliefs eines schwäbischen Meisters und ein gekreuzigter Christus mit der trauernden hl. Maria Magdalena stammen ebenfalls aus der Gründungsepoche des Klosters, die von ca. 1507 bis 1520 anzusetzen ist.
Das traditionsreiche Ordenshaus baute seine Kunstsammlung über die Jahrhunderte konsequent aus, was aber nicht nur auf Schenkungen zurückzuführen ist, sondern auch auf den Kunstsinn der Mitbrüder: Unter den Schwazer Franziskanern gab es immer wieder Künstler wie zum Beispiel den Mitbruder Wilhelm von Schwaben, unter dessen Mitwirkung von 1519 bis 1526 der gotische Kreuzgang des Franziskanerklosters mit imposanten Fresken ausgeschmückt wurde. Manche der zentralen Kunstwerke der Klostersammlung schufen die Patres und Fratres selbst, andere tauschten sie als profunde Kunstkenner gegen eigene Arbeiten ein. Auf diese Weise gelang es den Schwazer Ordensleuten, Werke von anerkannten lokalen und überregional tätigen Künstlern verschiedener Epochen und Stilrichtungen zu erwerben. In der Ausstellung in der Galerie im Rabalderhaus werden die Künstler des Klosters besonders gewürdigt. In diesem Zusammenhang wird erstmals das reichhaltige bildnerische und literarische Œuvre von Pater Fabian Barcata OFM (1868–1954) umfassend dargestellt. Zu den Hauptwerken von Pater Fabian Barcata zählt ein Kelch, der in der Ausstellung zusammen mit liturgischen Geräten von Schwazer Künstlern seiner Zeit präsentiert wird.
Im Rabalderhaus werden monumentale Gemälde und Plastiken ebenso ausgestellt wie kunsthistorische Raritäten, z. B. Bilder, die sich durch besondere Bildinhalte auszeichnen, wie das „Vanitas“-Bild eines unbekannten Künstlers aus der Zeit um 1700. Weitere Kostbarkeiten aus der Kunstkammer des Schwazer Franziskanerklosters, die in der Ausstellung zu sehen sein werden, sind Werke der Schwazer Barockmaler Johann Georg Höttinger und Christof Anton Mayr sowie Arbeiten von Schwazer bzw. Tiroler Künstlern des 19.und 20. Jahrhunderts, unter anderem der Schwazer Künstler und Künstlerinnen Maria Anna Moser, Fred Hochschwarzer, Adolf Luchner, Carl Rieder und Alois Norer.
Zu den wichtigsten Schätzen eines Klosters gehören aber nicht nur Kunstwerke und liturgische Geräte, sondern auch die wertwollen Bestände ihrer Bibliothek. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, wird ein weiterer Teil der Ausstellung im 2. Obergeschoss des Rabalderhauses (als Sonderausstellung im „Museum Kunst in Schwaz“) mit Handschriften und Büchern aus den Beständen des Schwazer Franziskanerklosters bestückt, darunter ein reich bebildertes Antiphonar (Chorbuch, 1514), illuminierte Bibeln und Evangeliare, literarische und naturwissenschaftliche Abhandlungen und – als besonderes Highlight dieses Teils der Ausstellung – ein kostbares Fragment einer Parzival-Handschrift, das zu den bedeutendsten seiner Art zählt.
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