CHRISTIAN HESS
(Bozen 1895 – Schwaz 1944)
Eröffnung am 13. Juni 2008 – 19.00 Uhr
Ausstellungsdauer 14. Juni bis 27. Juli 2008 (jeweils DO – SO, 16.00 – 19.00 Uhr)
Finissage am 27. Juli 2008 – 18.00 Uhr
Erst seit jüngster Zeit wieder in seiner Bedeutung erkannt, war Christian Hess wie kein zweiter Zwischenkriegsmaler mit Tiroler Wurzeln international orientiert: ein Künstler, „der die europäische Kultur seiner Zeit eingeatmet hat“ (Leonardo Sciascia), einer auch, der trotz oder gerade wegen der widrigen Zeitbedingungen ein Werk von besonderer inhaltlicher und formaler Dichte schuf.
Tirol steht nur am Beginn und am Ende der Lebensgeschichte von Christina Hess. Als Sohn eines deutschen Beamten in Bozen geboren, übersiedelte er 1906 mit der Familie nach Innsbruck, wo er die Staatsgewerbeschule besuchte und eine Lehre an der Glasmalereianstalt aufnahm. Mit der Studienzeit in München ab 1919 begann für ihn die Aneignung des zeitgenössischen Stilrepertoires zwischen Expressionismus, Neuer Sachlichkeit und Abstraktion. 1925 reiste er erstmals nach Sizilien, wo seine Schwester lebte. Die mythisch empfundene Atmosphäre der Insel zog ihn fortan völlig in den Bann. Bis 1938 nahm er hier immer wieder, teilweise über ein Jahr währenden Aufenthalt, in der Landschaft und den Menschen Siziliens die wichtigste Quelle für seine Arbeit findend. In Deutschland trat Hess 1928 mit Max Beckmann in Kontakt, der ihm wie Carl Hofer, mit dem er ebenfalls verkehrte, wichtige Impulse gab. Seit 1929 gehörte der Maler den Münchner „Juryfreien“ an, die hier als die Vertreter der Moderne gelten und auch Künstler wie Picasso, Severini und Klee ausstellen, bis die von den Nationalsozialisten als bolschewistisch eingestufte Vereinigung aufgelöst wurde. Nach wechselnden Aufenthalten in München, Messina und der Schweiz kehrte Hess 1940 nach Tirol zurück und erhielt durch Fürsprache Max von Esterles ein Atelier in Innsbruck zugewiesen. Er starb im November 1944 als Opfer eines Bombenangriffs im Krankenhaus von Schwaz.
Die künstlerische Gegenwelt zum von den Spannungen der Zeit gezeichneten Leben Christian Hess’ ist eine auf Ausgleich bedachte, nach klassischer Schönheit strebende, hinter der aber die Erfahrung des Expressionismus stets präsent bleibt. So zieht sich das Gefühl des Geworfensein und die sich daraus ergebende Melancholie wie ein roter Faden durch das Werk. Zum bevorzugten Inventar der Hess’schen Bilderwelt zählen Modelle und Badende, umgesetzt in einen nuancenreichen Kolorismus mit zuweilen eigenwilligen Akkorden zwischen Rosa, Violett und Grün. Den großen Widerschein zeitloser Klassizität fand Hess aber in Sizilien. Fischer, Matrosen, Bauern und Maurer bei der seit Jahrhunderten unverändert gebliebenen Arbeit, Wahrsager und Frauen am Meer, die von antiken Mythen durchpulste Landschaft regten ihn zu einer Vielzahl an Bildschöpfungen an. Die intensive Auseinandersetzung mit den reinen Form- und Farbwerten führte Hess in den frühen Dreißiger Jahren auch zu zur Abstraktion neigenden Städtebildern und Stillleben. Mit der sonstigen Tiroler Malerei der Zeit wenig gemein, unterstreichen sie den europäischen Zuschnitt des Malers.
Die vom Museum Rabalderhaus Schwaz gemeinsam mit dem Stadtmuseum Bozen organisierte Ausstellung zeigt einen repräsentativen Querschnitt durch das Werk des Malers (ca. 50 Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Radierungen). Neben Leihgaben aus verschiedenen Museen wird auch eine Reihe bisher unbekannter Bilder und Dokumente präsentiert, ergänzt durch eine halbstündige Filmdokumentation.
Zur Ausstellung erscheint ein von Carl Kraus verfasster Katalog.
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